Aus unserem Fragenpool von 150 IHK-Prüfungsfragen nach offiziellem ZPA/AkA-Wortlaut. Bearbeiten Sie die Aufgaben und vergleichen Sie Ihre Antwort mit dem Erwartungshorizont:
Gesetzliche Kündigungsfristen nach BGB § 622
8 Punkte
Ein Fachinformatiker ist seit 12 Jahren ununterbrochen in einem mittelständischen IT-Systemhaus beschäftigt. Am 18. Mai erhält er eine ordentliche, betriebsbedingte Kündigung des Arbeitgebers.
Ermitteln Sie unter Angabe der gesetzlichen Bestimmungen des § 622 BGB die Kündigungsfrist und das exakte Beendigungsdatum des Arbeitsverhältnisses.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Gesetzliche Frist nach § 622 Abs. 2 Nr. 4 BGB: Bei einer Betriebszugehörigkeit von 10 Jahren beträgt die Frist 4 Monate zum Ende eines Kalendermonats. (4 Pkt.)
Fristberechnung: Die 4-Monats-Frist beginnt nach Zugang im Mai zu laufen (Juni, Juli, August, September). Beendigungstermin ist der 30. September. (4 Pkt.)
Kündigungsschutzgesetz KSchG Klagefrist
6 Punkte
Ein Arbeitnehmer erhält eine verhaltensbedingte Kündigung, die er für sachlich unbegründet und rechtswidrig hält.
Nennen Sie die Frist zur Erhebung einer Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht nach § 4 KSchG und beschreiben Sie, was geschieht, wenn diese Frist versäumt wird.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Klagefrist: Die Klage muss innerhalb von drei Wochen nach schriftlichem Zugang der Kündigung beim Arbeitsgericht erhoben werden. (3 Pkt.)
Rechtsfolge bei Versäumnis: Nach § 7 KSchG gilt die Kündigung als von Anfang an rechtswirksam (Fiktionswirkung); das Arbeitsverhältnis endet unwiderruflich zum Kündigungstermin. (3 Pkt.)
BBiG Rechte und Pflichten von Auszubildenden
8 Punkte
Ein Auszubildender im 2. Ausbildungsjahr weigert sich, täglich 2 Stunden lang private Botengänge für den Geschäftsführer zu erledigen.
Prüfen Sie die Rechtmäßigkeit dieser Anweisung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und nennen Sie zwei wesentliche Pflichten des Ausbildenden sowie zwei Pflichten des Auszubildenden.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Rechtmäßigkeit: Die Anweisung ist rechtswidrig nach § 14 Abs. 3 BBiG (Auszubildenden dürfen nur Aufgaben übertragen werden, die dem Ausbildungszweck dienen und ihren körperlichen Kräften angemessen sind). (2 Pkt.)
Zwei Pflichten des Ausbildenden: 1. Ausbildungspflicht (Vermittlung der Ausbildungsinhalte); 2. Kostenlose Bereitstellung der Ausbildungsmittel; 3. Freistellung für Berufsschule und Prüfungen. (2 Pkt.)
Zwei Pflichten des Auszubildenden: 1. Lernpflicht (Bemühen um Ausbildungserfolg); 2. Sorgfaltspflicht und Führen des Ausbildungsnachweises; 3. Schweigepflicht über Betriebsgeheimnisse. (2 Pkt.)
BetrVG Mitbestimmung bei technischen Einrichtungen
8 Punkte
Die Geschäftsleitung führt ohne Einbindung des Betriebsrats eine Software ein, die Tastenanschläge und Login-Zeiten der Mitarbeiter minutengenau protokolliert.
Beurteilen Sie die Rechtslage nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG und erklären Sie, welche Schritte der Betriebsrat einleiten kann.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Rechtslage: Der Betriebsrat hat nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG ein zwingendes, erzwingbares Mitbestimmungsrecht bei der Einführung und Anwendung von technischen Einrichtungen, die dazu bestimmt oder geeignet sind, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen. Ohne vorherige Zustimmung oder Betriebsvereinbarung ist die Einführung unzulässig. (4 Pkt.)
Schritte des Betriebsrats: 1. Aufforderung an die Geschäftsleitung zur sofortigen Stilllegung/Abschaltung der Überwachung; 2. Beantragung einer einstweiligen Verfügung beim Arbeitsgericht; 3. Bei Nichteinigung Anrufung der Einigungsstelle (§ 76 BetrVG), deren Spruch die Einigung verbindlich ersetzt. (4 Pkt.)
Tarifvertragsarten Manteltarif vs Entgelttarif
6 Punkte
Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände handeln Tarifverträge aus.
Unterscheiden Sie den Manteltarifvertrag (bzw. Rahmentarifvertrag) vom Entgelttarifvertrag (Vergütungstarifvertrag) hinsichtlich Inhalten und typischer Laufzeit.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Manteltarifvertrag: Regelt allgemeine Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeit, Urlaubsdauer, Kündigungsfristen, Mehrarbeitszuschläge und Schutzbestimmungen. Typische Laufzeit: Mehrere Jahre (meist 3 bis 5 Jahre). (3 Pkt.)
Entgelttarifvertrag: Regelt die konkrete Höhe der monatlichen Vergütung, Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen eingeteilt in Tarifgruppen. Typische Laufzeit: Kurzfristig (meist 12 bis 24 Monate). (3 Pkt.)
Die 5 Säulen der gesetzlichen Sozialversicherung
10 Punkte
Vom Bruttogehalt eines Arbeitnehmers werden Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung abgeführt.
Nennen Sie die fünf Säulen der gesetzlichen Sozialversicherung und geben Sie an, welcher Zweig im Gegensatz zu den anderen zu 100 % allein vom Arbeitgeber finanziert wird.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
1. Krankenversicherung (GKV) - paritätisch getragen. (2 Pkt.)
2. Pflegeversicherung (GPV) - paritätisch getragen (+ Kinderlosenzuschlag für AN). (2 Pkt.)
3. Rentenversicherung (GRV) - paritätisch getragen. (2 Pkt.)
4. Arbeitslosenversicherung (ALV) - paritätisch getragen. (2 Pkt.)
5. Unfallversicherung (Gesetzliche Unfallversicherung / Berufsgenossenschaft): Wird zu 100 % allein vom Arbeitgeber getragen! (2 Pkt.)
Gehaltsabrechnung Brutto zu Netto
6 Punkte
Ein IT-Mitarbeiter (Steuerklasse 1, keine Kinder) erhält ein monatliches Bruttogehalt von 4.000 EUR.
Erläutern Sie die Abzugsposten vom Brutto- zum Nettogehalt und unterscheiden Sie Steuern von Sozialversicherungsbeiträgen.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Abzugsposten:
1. Steuern: Lohnsteuer (an das Finanzamt), Solidaritätszuschlag (sofern Freigrenze überschritten), ggf. Kirchensteuer. (3 Pkt.)
2. Gesetzliche Sozialabgaben (ca. 20-21 % AN-Anteil): Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung (an die zuständige Krankenkasse als Einzugsstelle). (3 Pkt.)
Unternehmensformen GmbH vs Aktiengesellschaft (AG)
8 Punkte
Für die Expansion eines Cloud-Startups wird die Wahl zwischen einer GmbH und einer AG abgewogen.
Vergleichen Sie GmbH und AG bezüglich Mindestkapital, Organe und Haftung.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung):
- Mindeststammkapital: 25.000 EUR. (1 Pkt.)
- Organe: Geschäftsführer (Leitung) und Gesellschafterversammlung (Beschlussfassung). (2 Pkt.)
- Haftung: Beschränkt auf das Gesellschaftsvermögen der GmbH. (1 Pkt.)
AG (Aktiengesellschaft):
- Mindestgrundkapital: 50.000 EUR. (1 Pkt.)
- Organe: Vorstand (Leitung), Aufsichtsrat (Kontrolle), Hauptversammlung der Aktionäre (Beschlussfassung). (2 Pkt.)
- Haftung: Beschränkt auf das Gesellschaftsvermögen der AG (Aktionär haftet nur mit dem Aktienwert). (1 Pkt.)
Handelsregister Abteilung A vs Abteilung B
8 Punkte
Kaufleute und Gesellschaften werden im Handelsregister eingetragen.
Unterscheiden Sie Abteilung A (HRA) und Abteilung B (HRB) bezüglich der eingetragenen Rechtsformen und erläutern Sie den Unterschied zwischen deklaratorischer und konstitutiver Wirkung.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Abteilung A (HRA): Verzeichnet Einzelkaufleute (e.K.) und Personengesellschaften (OHG, KG). (2 Pkt.)
Abteilung B (HRB): Verzeichnet Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, KGaA). (2 Pkt.)
Deklaratorische Wirkung: Rechtswirkung ist bereits vor der Eintragung eingetreten; die Eintragung stellt den bestehenden Rechtszustand lediglich öffentlich klar (z. B. Erteilung einer Prokura). (2 Pkt.)
Konstitutive Wirkung: Die Rechtswirkung entsteht erst mit und durch die Eintragung im Handelsregister (rechtsbegründend, z. B. Entstehung einer GmbH als juristische Person). (2 Pkt.)
Kaufvertragsstörungen Sachmangel und Nacherfüllung
8 Punkte
Ein Unternehmen bestellt 10 neue Laptops. Bei Lieferung stellt sich heraus, dass 3 Displays tiefe Kratzer aufweisen.
Nennen Sie die vorrangigen Rechte des Käufers bei Vorliegen eines Sachmangels (§ 437, § 439 BGB) und beschreiben Sie, unter welchen Bedingungen die nachrangigen Rechte (Rücktritt, Minderung) greifen.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Vorrangiges Recht (Nacherfüllung nach § 439 BGB): Der Käufer kann nach seiner Wahl die Beseitigung des Mangels (Nachbesserung / Reparatur) oder die Lieferung einer mangelfreien Sache (Nachlieferung / Ersatz) verlangen. Dem Verkäufer muss dazu eine angemessene Frist eingeräumt werden. (4 Pkt.)
Nachrangige Rechte: Schlägt die Nacherfüllung fehl (nach dem 2. erfolglosen Nachbesserungsversuch) oder verweigert der Verkäufer diese endgültig, kann der Käufer vom Kaufvertrag zurücktreten (Rückabwicklung Zug um Zug), den Kaufpreis mindern und ggf. Schadensersatz verlangen. (4 Pkt.)
Marktformen Polypol, Oligopol und Monopol
6 Punkte
Auf Märkten treffen Angebot und Nachfrage bei unterschiedlichen Marktstrukturen aufeinander.
Definieren Sie die Marktformen Monopol, Oligopol und Polypol aus Sicht der Anbieter und nennen Sie jeweils ein konkretes Marktbeispiel.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Monopol (Angebotsmonopol): Genau ein Anbieter steht vielen Nachfragern gegenüber. Hohe Preissetzungsmacht. Beispiel: Deutsche Bahn im Schienenfernverkehr (historisch) oder staatliches Lotteriemonopol. (2 Pkt.)
Oligopol (Angebotsoligopol): Wenige Anbieter stehen vielen Nachfragern gegenüber. Gefahr von Preisabsprachen oder Preiskämpfen. Beispiel: Deutscher Mobilfunknetz-Markt (Telekom, Vodafone, Telefónica, 1&1) oder Mineralölkonzerne. (2 Pkt.)
Polypol: Sehr viele Anbieter stehen sehr vielen Nachfragern gegenüber. Vollständige Konkurrenz, Preisbildung über den Gleichgewichtspreis. Beispiel: Gebrauchtwagenmarkt, Wohnungsmarkt, Gastronomie. (2 Pkt.)
Konjunkturphasen Zyklus
6 Punkte
Die volkswirtschaftliche Entwicklung verläuft in zyklischen Schwankungen.
Nennen Sie die vier klassischen Phasen des Konjunkturzyklus in richtiger Reihenfolge und beschreiben Sie zwei typische volkswirtschaftliche Merkmale der Hochkonjunktur (Boom).
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Vier Phasen:
1. Aufschwung (Expansion)
2. Hochkonjunktur (Boom)
3. Abschwung (Rezession)
4. Tiefstand (Depression). (3 Pkt.)
Zwei Merkmale des Booms: 1. Nahezu Vollbeschäftigung / akuter Fachkräftemangel; 2. Volle Kapazitätsauslastung der Unternehmen bei steigenden Zinsen, Löhnen und Inflationsraten. (3 Pkt.)
Geldpolitik der EZB Leitzins und Inflation
6 Punkte
Zur Bekämpfung einer anhaltend hohen Inflationsrate beschließt der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Erhöhung der Leitzinsen.
Erläutern Sie den Wirkungsmechanismus einer Leitzinserhöhung auf die Kreditvergabe von Geschäftsbanken, die Investitionsbereitschaft und die Preisentwicklung.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Wirkungsmechanismus:
1. Refinanzierungskosten steigen: Geschäftsbanken müssen für EZB-Zentralbankgeld höhere Zinsen zahlen und geben diese in Form höherer Kreditzinsen an Unternehmen und Verbraucher weiter. (2 Pkt.)
2. Dämpfung der Nachfrage: Teurere Kredite führen dazu, dass Unternehmen Investitionen verschieben und private Haushalte weniger konsumieren, während Sparen attraktiver wird. (2 Pkt.)
3. Inflationsrückgang: Die gesunkene Gesamtnachfrage reduziert den Druck auf die Güterpreise, sodass sich der Preisanstieg verlangsamt (Rückkehr zum 2%-Inflationsziel). (2 Pkt.)
Kaufmännisches Mahnverfahren Zahlungsverzug
8 Punkte
Ein Kunde zahlt eine fällige Rechnung über 3.500 EUR trotz Fälligkeitsdatum nicht.
Erklären Sie, wann ein Schuldner nach § 286 BGB auch ohne gesonderte Mahnung automatisch in Verzug gerät, und beschreiben Sie den Ablauf des gerichtlichen Mahnverfahrens.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Automatischer Verzug nach § 286 BGB:
1. Wenn für die Leistung eine Zeit nach dem Kalender bestimmt ist (z. B. "zahlbar bis zum 15.10."). (2 Pkt.)
2. Spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung (bei Verbrauchern nur mit entsprechendem Hinweis auf der Rechnung). (2 Pkt.)
Gerichtliches Mahnverfahren:
1. Gläubiger beantragt Mahnbescheid beim zentralen Mahngericht (keine materielle Rechtsprüfung). (1,5 Pkt.)
2. Das Gericht stellt den Mahnbescheid zu; der Schuldner hat 2 Wochen Widerspruchsfrist. (1 Pkt.)
3. Erfolgt kein Widerspruch, beantragt der Gläubiger den Vollstreckungsbescheid (vollstreckbarer Titel für Gerichtsvollzieher). (1,5 Pkt.)
Mutterschutz und Elternzeit
6 Punkte
Eine Mitarbeiterin teilt ihrer Abteilungsleitung mit, dass sie schwanger ist.
Nennen Sie die gesetzlichen Mutterschutzfristen vor und nach der Entbindung nach dem Mutterschutzgesetz (MuSchG) und erklären Sie die Kündigungsschutzregelung während Schwangerschaft und Elternzeit.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Mutterschutzfristen: 6 Wochen vor der Entbindung (Schwangere darf auf eigenen Wunsch arbeiten) und 8 Wochen nach der Entbindung (absolutes Beschäftigungsverbot; 12 Wochen bei Früh- oder Mehrlingsgeburten). (3 Pkt.)
Kündigungsschutz: Während der gesamten Schwangerschaft bis 4 Monate nach der Entbindung sowie während der Elternzeit besteht nach § 17 MuSchG bzw. § 18 BEEG ein striktes Kündigungsverbot. Kündigungen sind ausnahmslos unzulässig (Ausnahmen bedürfen der vorherigen behördlichen Genehmigung). (3 Pkt.)
Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG)
6 Punkte
Ein 17-jähriger Auszubildender soll an einem Samstag 9 Stunden lang Überstunden in der Serverwartung leisten.
Prüfen Sie die Zulässigkeit dieser Maßnahme anhand von Arbeitszeit und Samstagsruhe nach dem JArbSchG.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Tägliche Höchstarbeitszeit (§ 8 JArbSchG): Jugendliche dürfen maximal 8 Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich beschäftigt werden (eine 9-Stunden-Schicht ist unzulässig). (3 Pkt.)
Samstagsruhe (§ 16 JArbSchG): An Samstagen dürfen Jugendliche grundsätzlich nicht beschäftigt werden. Zulässige Ausnahmen (z. B. Krankenhäuser, Gastronomie) treffen auf reguläre IT-Bürotätigkeiten nicht zu. Die Anweisung ist somit doppelt rechtswidrig. (3 Pkt.)
Befristete Arbeitsverträge nach TzBfG
6 Punkte
Ein Arbeitgeber möchte einen Softwareentwickler befristet einstellen.
Unterscheiden Sie die kalendermäßige Befristung ohne Sachgrund (§ 14 Abs. 2 TzBfG) von einer Befristung mit sachlichem Grund (§ 14 Abs. 1 TzBfG) hinsichtlich maximaler Dauer und Verlängerungsmöglichkeiten.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Befristung ohne Sachgrund: Maximal für 2 Jahre zulässig. Innerhalb dieses 2-Jahres-Zeitraums darf der Vertrag maximal 3-mal verlängert werden. Unzulässig, wenn mit demselben Arbeitgeber zuvor bereits ein Arbeitsverhältnis bestand (Vorbeschäftigungsverbot). (3 Pkt.)
Befristung mit Sachgrund: Zeitlich und in der Anzahl der Verlängerungen prinzipiell unbegrenzt, solange ein rechtlich anerkannter Sachgrund vorliegt (z. B. Vertretung wegen Elternzeit/Krankheit, vorübergehender betrieblicher Mehrbedarf an Arbeitsleistung/Projekt, Eigenart der Arbeitsleistung). (3 Pkt.)
Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (EntgFG)
6 Punkte
Ein Mitarbeiter erkrankt arbeitsunfähig infolge einer Grippe.
Erläutern Sie die gesetzlichen Regelungen zur Entgeltfortzahlung nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) und erklären Sie, welche Leistung der Mitarbeiter nach Ablauf der Fortzahlung von wem erhält.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber: Der Arbeitgeber zahlt das volle reguläre Gehalt (100 %) für die Dauer von bis zu 6 Wochen (42 Kalendertage) bei unverschuldeter Arbeitsunfähigkeit fort. Voraussetzung: Das Arbeitsverhältnis besteht seit mindestens 4 Wochen ununterbrochen. (3 Pkt.)
Anschlussleistung nach 6 Wochen: Ab der 7. Woche zahlt die gesetzliche Krankenkasse Krankengeld (70 % des Bruttoentgelts, maximal 90 % des Nettoentgelts) für dieselbe Krankheit für bis zu 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren. (3 Pkt.)
Prokura vs Handlungsvollmacht nach HGB
8 Punkte
Der Geschäftsführer eines IT-Systemhauses möchte zwei leitende Mitarbeiter bevollmächtigen.
Vergleichen Sie die Prokura (§§ 48-53 HGB) und die Handlungsvollmacht (§ 54 HGB) bezüglich Erteilung, Umfang der Vertretungsmacht, Handelsregistereintragung und Zeichnungszusatz.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Erteilung: Prokura kann nur durch den Inhaber/Geschäftsführer ausdrücklich und persönlich erteilt werden; Handlungsvollmacht kann formlos auch durch Prokuristen erteilt werden. (2 Pkt.)
Umfang: Prokura ermächtigt zu ALLEN Arten von gerichtlichen und außergerichtlichen Geschäften und Rechtshandlungen, die der Betrieb IRGENDEINES Handelsgewerbes mit sich bringt (Ausnahme: Grundstücke verkaufen/belasten bedarf gesonderter Befugnis). Handlungsvollmacht ermächtigt nur zu Geschäften, die der Betrieb DIESES KONKRETEN Handelsgewerbes gewöhnlich mit sich bringt. (3 Pkt.)
Handelsregister: Prokura MUSS zwingend ins Handelsregister eingetragen werden (deklaratorisch); Handlungsvollmacht wird NICHT eingetragen. (1,5 Pkt.)
Zeichnung: Prokurist zeichnet mit "per procura" / "ppa. Vorname Nachname"; Handlungsbevollmächtigter zeichnet mit "in Vollmacht" / "i.V." oder "in Auftrag" / "i.A.". (1,5 Pkt.)