Aus unserem Fragenpool von 150 IHK-Prüfungsfragen nach offiziellem ZPA/AkA-Wortlaut. Bearbeiten Sie die Aufgaben und vergleichen Sie Ihre Antwort mit dem Erwartungshorizont:
Hypervisor-Architekturen Typ 1 vs Typ 2
8 Punkte
Für ein IT-Konsolidierungsprojekt werden Virtualisierungslösungen evaluiert.
Vergleichen Sie Typ-1-Hypervisoren (Bare-Metal) und Typ-2-Hypervisoren (Hosted) hinsichtlich Architektur, Performance und Einsatzbereich und nennen Sie jeweils zwei Produktbeispiele.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Typ-1-Hypervisor (Bare-Metal): Wird direkt auf der physischen Server-Hardware ohne zwischengeschaltetes Wirtsbetriebssystem installiert. Bietet höchste I/O-Performance, minimale Latenzen und geringen Ressourcen-Overhead. Einsatz im professionellen Rechenzentrum/Enterprise-Bereich. Beispiele: VMware ESXi, Proxmox VE, Microsoft Hyper-V Server. (4 Pkt.)
Typ-2-Hypervisor (Hosted): Läuft als normale Anwendungssoftware auf einem bestehenden Wirts-Betriebssystem (Windows, macOS, Linux). Deutlich höherer Overhead durch doppelte Treiber- und Kernel-Schichten. Einsatz auf Entwickler-Workstations und Testumgebungen. Beispiele: Oracle VirtualBox, VMware Workstation. (4 Pkt.)
Docker-Container vs Virtuelle Maschinen
8 Punkte
Ein Entwicklerteam möchte monolithische Anwendungen in containerbasierte Microservices zerlegen.
Vergleichen Sie Container und virtuelle Maschinen hinsichtlich Kernel-Architektur, Startzeiten, Speicherplatzbedarf und Isolation.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Architektur & Kernel: Virtuelle Maschinen bringen ein eigenes vollständiges Gast-Betriebssystem samt eigenem Kernel mit. Docker-Container teilen sich den Kernel des Host-Betriebssystems und werden über Linux-Kernel-Features (Namespaces für Trennung von Prozessen/Netzwerk und cgroups für Ressourcenbegrenzung) isoliert. (3 Pkt.)
Startzeit: VM benötigt 30 bis 60 Sekunden (kompletter OS-Bootvorgang); Container startet in wenigen Millisekunden (reiner Prozessstart). (2 Pkt.)
Speicherbedarf: VM benötigt mehrere Gigabyte Festplattenspeicher; Container-Images sind oft nur wenige Megabyte groß. (1,5 Pkt.)
Isolation: VMs bieten stärkere Hardware-Isolation über Hypervisor-Sicherheitsgrenzen; Container teilen sich denselben Kernel (bei Kernel-Exploits höheres Ausbruchsrisiko). (1,5 Pkt.)
Cloud Service Modelle IaaS vs PaaS vs SaaS
9 Punkte
Die Unternehmensführung plant die Migration von Diensten in die Cloud.
Definieren Sie die Cloud-Servicemodelle IaaS, PaaS und SaaS nach NIST und erklären Sie das Shared Responsibility Model (Gemeinsame Verantwortlichkeit).
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
IaaS (Infrastructure as a Service): Der Provider stellt virtualisierte Hardware (VMs, Speicher, Netzwerk) bereit. Der Kunde ist verantwortlich für Betriebssystem, Patches, Middleware, Runtimes und Anwendungen. (2 Pkt.)
PaaS (Platform as a Service): Der Provider verwaltet Hardware, Betriebssystem und Laufzeitumgebung (z. B. Python, Node.js, SQL-Engine). Der Kunde kümmert sich nur noch um seinen Anwendungscode und die Daten. (2 Pkt.)
SaaS (Software as a Service): Der Provider betreibt die vollständige schlüsselfertige Software samt Infrastruktur. Der Kunde nutzt die Anwendung nur über Webbrowser/API (z. B. Microsoft 365). (2 Pkt.)
Shared Responsibility Model: Definiert die genaue Grenze der Sicherheitsverantwortung: Der Cloud-Anbieter haftet für die Sicherheit DER Cloud (physische RZs, Hypervisor, Basisinfrastruktur), der Kunde ist verantwortlich für die Sicherheit IN der Cloud (Identitäten, Zugriffskontrollen, Datenverschlüsselung, Patching ab OS-Ebene bei IaaS). (3 Pkt.)
SNMPv2c vs SNMPv3 Netzwerk-Monitoring
8 Punkte
Zur Überwachung von 50 Core-Switchen wird ein Zabbix-Monitoring-Server eingerichtet.
Begründen Sie, warum SNMPv2c in modernen Netzen als Sicherheitsrisiko gilt, und erläutern Sie die drei Sicherheitsstufen von SNMPv3 (noAuthNoPriv, authNoPriv, authPriv).
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Sicherheitsrisiko SNMPv2c: Die Authentifizierung erfolgt ausschließlich über einen unverschlüsselten Klartext-String (Community String, z. B. "public"). Jeder Netzwerksniffer kann Passwörter und Konfigurationen mitlesen oder manipulieren. (3 Pkt.)
SNMPv3 Sicherheitsstufen:
1. noAuthNoPriv: Keine Authentifizierung, keine Verschlüsselung (nur User-ID). (1 Pkt.)
2. authNoPriv: Authentifizierung über kryptografische Hashverfahren (HMAC-MD5/SHA), aber unverschlüsselte Nutzdatenübertragung. (2 Pkt.)
3. authPriv: Höchste Sicherheitsstufe: Hash-basierte Authentifizierung UND symmetrische Verschlüsselung der gesamten Nutzdaten via AES/DES. (2 Pkt.)
Hochverfügbarkeits-Berechnung Verfügbarkeit in Prozent
6 Punkte
In einem SLA garantiert ein IT-Dienstleister für einen Cloud-Dienst eine Verfügbarkeit von 99,9 % ("Drei Neunen") bezogen auf ein Jahr (365 Tage à 24 Stunden).
Berechnen Sie die maximal zulässige Ausfallzeit in Stunden und Minuten pro Jahr.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Gesamtdauer eines Jahres in Stunden: 365 Tage * 24 h = 8760 Stunden. (2 Pkt.)
Maximal zulässige Nichtverfügbarkeit in Prozent: 100 % - 99,9 % = 0,1 % = 0,001. (2 Pkt.)
Ausfallzeit in Stunden: 8760 h * 0,001 = 8,76 Stunden.
Umrechnung der Nachkommastelle: 0,76 * 60 Minuten = 45,6 Minuten -> 8 Stunden und 45 Minuten (bzw. 46 Min.). (2 Pkt.)
Kubernetes Architektur Pods und Cluster
8 Punkte
Ein Unternehmen betreibt Microservices in einem Kubernetes-Cluster.
Erläutern Sie die Aufgaben der Control Plane Komponenten (kube-apiserver, etcd, kube-scheduler) und definieren Sie das Konzept eines Pods.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Control Plane Komponenten:
1. kube-apiserver: Zentrale REST-Schnittstelle des Clusters, über die alle internen und externen Steuerungsbefehle laufen. (2 Pkt.)
2. etcd: Konsistenter, hochverfügbarer Key-Value-Speicher für alle Zustands- und Konfigurationsdaten des Clusters. (2 Pkt.)
3. kube-scheduler: Weist neu erstellten Pods anhand von Ressourcenanforderungen und Richtlinien passende Worker-Nodes zu. (2 Pkt.)
Pod: Die kleinste bereitstellbare Ausführungseinheit in Kubernetes. Ein Pod kapselt einen oder mehrere eng verknüpfte Container, die sich gemeinsamen Speicher (Volumes), Netzwerk-IP und Port-Adressraum teilen. (2 Pkt.)
Infrastructure as Code (IaC) Terraform vs Skripte
8 Punkte
Eine Cloud-Infrastruktur soll reproduzierbar und versionsverwaltet über Terraform bereitgestellt werden.
Unterscheiden Sie den deklarativen Ansatz von Terraform vom imperativen Ansatz von Shell-Skripten und erläutern Sie die Funktion der Terraform State-Datei (terraform.tfstate).
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Deklarativ (Terraform): Der Administrator beschreibt im Code nur den gewünschten SOLL-Zustand ("Ich möchte 3 VMs und 1 Load Balancer"). Die Engine ermittelt selbstständig die notwendigen Schritte zur Erreichung des Zustands. (2 Pkt.)
Imperativ (Bash/PowerShell-Skripte): Der Administrator muss jeden einzelnen Befehlsschritt (WIE) sequentiell programmieren und Fehlerzustände manuell abfangen. (2 Pkt.)
State-Datei (terraform.tfstate): Speichert das genaue Abbild der aktuell tatsächlich in der Cloud existierenden Ressourcen und deren Metadaten (IDs, Attribute). Terraform vergleicht bei Ausführung (terraform plan) den Soll-Code mit der State-Datei und der Realität, um minimale, gezielte Deltas zu berechnen. (4 Pkt.)
Prometheus & Grafana Monitoring-Architektur
8 Punkte
In einer Kubernetes-Umgebung wird ein Prometheus-Server zur Metrikerfassung aufgebaut.
Erklären Sie das Pull-Prinzip von Prometheus gegenüber dem Push-Prinzip, erläutern Sie die Aufgabe von Exportern (z. B. Node Exporter) und definieren Sie die Metriktypen Counter und Gauge.
💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
Pull-Prinzip: Prometheus fragt Ziele (Targets) periodisch selbstständig über HTTP (/metrics-Endpunkt) ab ("Scraping"). Der Server hat die Kontrolle über Abfrageintervall und Systemlast. Beim Push-Prinzip senden Clients unkoordiniert Daten an den Server. (3 Pkt.)
Exporter: Kleine Agenten/Dienste, die spezifische System- oder Anwendungsdaten (z. B. CPU-Last, RAM, Disk-I/O beim Node Exporter) auslesen und in das Prometheus-Textformat konvertieren. (2 Pkt.)
Metriktypen:
- Counter: Monoton ansteigender Zähler, der nur erhöht oder bei Systemneustart auf 0 zurückgesetzt wird (z. B. Anzahl empfangener HTTP-Requests, gesendete Bytes). (1,5 Pkt.)
- Gauge: Ein Wert, der beliebig steigen oder fallen kann (z. B. aktuelle CPU-Auslastung in Prozent, freier Speicherplatz, Temperatur). (1,5 Pkt.)